Google Shopping und kostenlose Produkteinträge basieren auf Vertrauen: Käufer müssen vor dem Kaufabschluss wissen, was der Versand kostet und wann die Ware ankommt. Fehlen diese Angaben, wertet Google dies als Irreführung gegenüber Verbrauchern - und lehnt Produkte ab oder sperrt das gesamte Merchant Center-Konto. Für Shopify-Händler, die den deutschen Markt bedienen, kommen zu den Google-Anforderungen noch die gesetzlichen Informationspflichten nach BGB § 312d hinzu. Mit den folgenden Schritten lassen sich beide Ebenen typischerweise in 2-5 Tagen lösen.
Was Google unter „Fehlende Versandinformationen” versteht
Google definiert „Fehlende Versandinformationen” als jeden Zustand, in dem Käufer vor dem Kaufabschluss keine zuverlässigen Angaben zu Versandkosten, Lieferzeiten oder Liefergebiet einsehen können. Die Google-Richtlinie zu Versandinformationen fordert: Händler müssen genaue Versandinformationen bereitstellen, damit Kunden wissen, wann sie ihre Bestellung erhalten und was der Versand kostet.
Konkret erzeugen folgende Zustände diesen Fehler:
- Kein aktiver Versanddienst im Merchant Center - der häufigste Auslöser, besonders nach der Erstkonfiguration über die Google & YouTube-App.
- Versandrichtlinie auf der Website fehlt oder ist unvollständig - fehlende Liefergebiete, keine konkreten Versandkosten, keine Lieferzeiten.
- Widerspruch zwischen GMC-Konfiguration und Website - z. B. „Kostenloser Versand ab 50 €” auf der Website, aber 4,99 € Pauschalversand im Merchant Center.
- Fehlende oder falsch formatierte
[shipping]-Attribute im Produktfeed - diese überschreiben die Merchant Center-Einstellung und können gültige Konfigurationen zunichtemachen.
Produkte können gleichzeitig auf Konto- und Produktebene betroffen sein. Die Diagnose unter Merchant Center → Diagnose zeigt den genauen Scope.
Warum es bei Shopify-Shops zur Sperrung führt
Shopify-Shops sind bei diesem Verstoß aus drei strukturellen Gründen besonders exponiert.
Leere Standard-Richtlinienvorlagen. Shopify stellt unter Einstellungen → Richtlinien Vorlagen für Versand-, Rückgabe- und Datenschutzrichtlinie bereit. Diese sind nach der Shopeinrichtung standardmäßig leer oder enthalten nur generische Platzhaltertexte. AdsBot-Google und der Shopping-Crawler rufen die URL /policies/shipping-policy auf - finden sie dort keinen verwertbaren Inhalt, wird dies als fehlende Information gewertet.
Fehlender Versanddienst nach App-Verbindung. Viele Händler verbinden ihren Shop über die offizielle Google & YouTube-App oder einen Drittanbieter-Feed mit dem Merchant Center, ohne anschließend manuell einen Versanddienst zu konfigurieren. Die App überträgt Produktdaten, richtet jedoch keinen vollständigen Versanddienst automatisch ein. Ohne einen aktiven Dienst, der das Zielland (z. B. Deutschland) abdeckt, kann Google für kein einziges Produkt Versandkosten ausweisen.
Shopify Markets ohne marktspezifische Richtlinien. Bei der Nutzung von Shopify Markets für mehrere Länder wird eine separate Versandrichtlinie pro Markt häufig vergessen. Die globale Richtlinie deckt dann typischerweise nur den Heimatmarkt ab - alle anderen Märkte erscheinen für Google als nicht abgedeckt.
So erkennst du das Problem in deinem Shop
Prüfe die folgenden Punkte systematisch, bevor du mit der Behebung beginnst.
Im Merchant Center:
- Diagnose → Konto → Suche den Eintrag „Fehlende Versandinformationen” oder „Kein Versanddienst konfiguriert”.
- Versand und Rücksendungen → Versanddienste → Ist mindestens ein aktiver Dienst eingetragen, der dein Zielland abdeckt?
- Produkte → Diagnose → Sind bei abgelehnten Produkten
[shipping]-Fehler aufgeführt?
In deinem Shopify-Shop:
- Gehe zu Einstellungen → Richtlinien → Versandrichtlinie und prüfe, ob konkrete Angaben vorhanden sind.
- Ruf
https://dein-shop.myshopify.com/policies/shipping-policyim Inkognito-Fenster auf - so sieht es der Google-Crawler. - Stelle sicher, dass die Seite in der
sitemap.xmlenthalten und nicht durchrobots.txtblockiert ist.
Im Produktfeed:
- Enthält der Feed
[shipping]-Attribute mit validen Werten (Format:DE::Standard:4.99 EUR)? - Oder sind
[shipping]-Felder leer - was bedeutet, dass die Merchant Center-Konfiguration greift?
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Behebung
1. Versanddienst im Merchant Center konfigurieren
Öffne Merchant Center → Versand und Rücksendungen → Versanddienste und klicke auf Versanddienst hinzufügen.
- Zielland: Deutschland (und weitere Länder als separate Dienste)
- Währung: EUR
- Versandrate: Pauschal, nach Bestellwert oder nach Gewicht - mindestens eine Rate ist Pflicht
- Lieferzeit: Eine realistische Spanne in Werktagen (z. B. 2-4)
Speichere den Dienst und prüfe, ob er den Status Aktiv erhält. Wenn du mehrere Länder belieferst, lege für jedes Land einen separaten Versanddienst an oder nutze die Funktion Versanddienstgruppen, sofern deine Konfiguration dies unterstützt.
2. Versandrichtlinie im Shopify-Shop vervollständigen
Gehe zu Einstellungen → Richtlinien → Versandrichtlinie. Nutze die Shopify-Vorlage als Ausgangspunkt und ersetze alle Platzhalter durch echte Werte. Die Richtlinie muss folgende Punkte enthalten:
- Liefergebiete: Welche Länder belieferst du?
- Versandkosten: Pauschale, staffelweise oder kostenfreie Lieferung ab Bestellwert
- Lieferzeiten: Bearbeitungszeit + Versandzeit als Spanne (z. B. 1-2 Werktage Bearbeitung + 2-4 Werktage Versand)
- Versanddienstleister: DHL, Hermes, DPD o. ä. - optional, aber vertrauensbildend
Speichere die Richtlinie und verifiziere, dass /policies/shipping-policy öffentlich erreichbar ist - nicht passwortgeschützt, nicht noindex gesetzt.
3. Konsistenz zwischen GMC und Website sicherstellen
Google vergleicht die Merchant Center-Konfiguration mit den Website-Angaben. Widersprüche führen zu Ablehnungen, auch wenn beide Quellen für sich genommen vollständig sind. Prüfe konkret:
- Kostenloser Versand ab Bestellwert X? → Im GMC als entsprechende Regel hinterlegt?
- Lieferzeit 2-4 Werktage? → In beiden Quellen identisch oder zumindest nicht widersprüchlich?
4. [shipping]-Attribute im Feed prüfen
Falls der Feed [shipping]-Attribute explizit setzt, müssen diese das korrekte Format einhalten:
Häufig gestellte Fragen
Häufig gestellte Fragen
- Warum erscheint der Fehler 'Fehlende Versandinformationen' in meinem Merchant Center?
- Google prüft bei jedem Produkt, ob Käufer Versandkosten und Lieferzeiten vor dem Kauf einsehen können - sowohl im Merchant Center als auch auf deiner Website. Fehlt ein aktiver Versanddienst im GMC oder sind die Angaben auf der Versandrichtlinien-Seite unvollständig, stuft Google dies als irreführend ein und lehnt betroffene Produkte ab oder sperrt das Konto.
- Reicht es, die Versandkosten nur im Shopify-Shop anzuzeigen?
- Nein. Google prüft zwei Quellen unabhängig voneinander: die Versanddienstkonfiguration im Merchant Center und die Versandrichtlinie auf deiner Website. Beide müssen vollständige, widerspruchsfreie Angaben enthalten. Ein im Shop konfigurierter Versand allein reicht nicht aus - der Merchant Center-Versanddienst muss separat eingerichtet werden.
- Wie lange dauert die Überprüfung nach dem Einspruch?
- Typischerweise 1-5 Werktage. Google verwendet ein automatisiertes System für die erste Überprüfungsrunde. Falls der Einspruch ohne inhaltliche Begründung abgelehnt wird, kann er erneut eingereicht werden. Wichtig: Alle Korrekturen müssen live und crawlbar sein, bevor du den Einspruch absendest - Google prüft den aktuellen Zustand deines Shops, nicht den Zustand zum Zeitpunkt der Einreichung.
- Muss die Versandrichtlinie auf Deutsch verfasst sein?
- Für den deutschen Markt ist eine deutschsprachige Versandrichtlinie dringend empfohlen - sowohl für Google Shopping als auch aus rechtlichen Gründen. Nach BGB § 312d haben deutsche Verbraucher Anspruch auf vorvertragliche Informationen in verständlicher Sprache. Eine rein englischsprachige Richtlinie kann sowohl zur GMC-Ablehnung als auch zu wettbewerbsrechtlichen Abmahnungen führen.
- Was tun, wenn das gesamte Merchant Center-Konto gesperrt ist?
- Eine Kontosperrung deutet oft auf mehrere gleichzeitige Verstöße hin. Prüfe unter Merchant Center → Diagnose alle offenen Einträge. Fehlende Versandinformationen treten häufig zusammen mit fehlenden Rückgabeinformationen oder Website-Qualitätsproblemen auf. Alle Verstöße müssen parallel behoben werden - ein partiell behobenes Konto wird in der Regel nicht wiederhergestellt.
- Muss ich für jeden Shopify Market eine eigene Versandrichtlinie hinterlegen?
- Ja. Wenn du Shopify Markets verwendest, erwartet Google für jedes Zielland vollständige Versandangaben. Lege im Merchant Center für jedes Land einen eigenen Versanddienst an und stelle sicher, dass deine Versandrichtlinie alle belieferten Länder mit länderspezifischen Angaben und Konditionen abdeckt.
Quellen & Referenzen
Offizielle zitierte Quellen
- Google Merchant Center-Richtlinie: Versandinformationen https://support.google.com/merchants/answer/6149970
- BGB § 312d - Informationspflichten bei Fernabsatzverträgen (Gesetze im Internet) https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__312d.html
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